Mitglieder-LoginAnmelden oder neu registrieren

Dichtheitsprüfung für Abwasserrohre in Berlin bis 31.12.2015?

« Zurück zur Übersicht

Was muss wo, bis wann geprüft werden?

Abwasserrohre müssen dicht sein, damit die Umwelt nicht kontaminiert wird. Nach Schätzungen sind ca. 70 % der Hausanschlüsse an das Abwassernetz undicht. Die Stadt Lünen (Bundesland Nordrhein-Westfalen) hatte 4.000 Leitungen geprüft und dabei festgestellt, dass mehr 80 % der Abwasserrohre Undichtigkeiten aufwiesen.

Gesetzlich vorgeschriebene Prüfpflicht?

Es gibt keine EU-Richtlinie, die eine Dichtigkeitsprüfung bis zum 31.12.2015 vorschreibt. Die häufig zitierte EU-Richtlinie 91/271/EWG gilt nur für die öffentliche Abwasserbeseitigung, nicht für private Abwasserleitungen. Zudem ist der Inhalt einer EU-Richtlinie kein unmittelbar geltendes Gesetz gegenüber den Bürgern, sondern muss durch den nationalen Gesetzgeber erst in ein Gesetz umgewandelt werden.
Nach § 60 Abs. 1 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) müssen Abwasseranlagen jedoch den Regeln der Technik entsprechen. Die Regeln der Technik für die Dichtheitsprüfung legt die DIN 1986 Teil 30 fest. Dazu gehört auch die Dichtigkeit der Abwasserrohre. Zu den Abwasseranlagen zählen auch die Zuleitungen der Häuser zu den kommunalen Abwassernetzen.

Was ist zu tun?

Aktive Untersuchungspflicht (Sicht-oder Druckprüfung) auf Dichtheit?

Kein bundesweiter Prüftermin bis zum 31.12.2015

Die einzelnen Bundesländer können Prüftermine im jeweiligen Landeswassergesetz vorschreiben. Die Länder Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Hessen hatten Prüftermine festgelegt, diese dann aber auf Grundstücke in Wasserschutzgebieten beschränkt.
Viele Kommunen haben jedoch mittlerweile durch ihre Gemeindesatzungen Regeln zur Dichtheitsprüfung aufgestellt, die feste Prüftermine und Meldepflichten enthalten. Verstöße hiergegen sind mit einem Bußgeld belegt. Die Gemeinde Augsburg sieht z. B. die erste Dichtheitsprüfung und Vorlage des Nachweises bis 31. 12.2019 vor, danach alle 25 Jahre.

Aber:

Hauseigentümer bleibt in der Pflicht – auch ohne Prüftermin
Der Hauseigentümer ist und bleibt für die Dichtheit seiner Abwasserleitungen – auch ohne Prüftermin – verantwortlich. Bestehen konkrete Anhaltspunkte für Undichtheiten, muss dem nachgegangen werden und die Leitungen unverzüglich geprüft/repariert werden.

Arten der Dichtheitsprüfung: optische Prüfung/ Druckprüfung

Sollte eine Dichtheitsprüfung erwünscht oder erforderlich sein, kann sich der Eigentümer entscheiden: bei einer optischen Prüfung wird mit einer Kamera ein zuvor gereinigter Kanal auf Schäden geprüft. Bei der Druckprüfung wird der Kanal mit Wasser oder Luft gefüllt und der Wasserverlust bzw. Druckverlust gemessen.

Kosten einer Dichtheitsprüfung

Die Kosten belaufen sich je nach Objekt zwischen 300 € (Einfamilienhaus) bis zu 1800 € (Mehrfamilienhaus) bei einer sehr aufwändigen Prüfung.

TIPP

Trennen Sie die Beauftragung zur Begutachtung der Dichtheit und den Auftrag für eine eventuell erforderliche Reparatur. Der Gutachter sollte also nicht auch das ausführende Unternehmen für Abdichtungsarbeiten sein.

Steuerlich begünstigt?

Die Frage, ob die Kosten der Begutachtung Handwerkerleistungen die Einkommenssteuer nach § 35a Abs. 3 EStG vermindert, ist noch nicht abschließend entschieden (BFH VI 1/13). Das ablehnende Finanzamt sah die gutachterliche Tätigkeit im Vordergrund. Das FG Köln hingegen zählte diese Aufwendungen hingegen ihrem Wesen nach zu den Instandhaltungskosten. Dass sich die Abwasserleitung als dicht erwiesen hat, ändert daran nichts. Die Entscheidung des BFH ist daher abzuwarten.

Nach oben
Navigation